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Dentophobie: Die Angst vor dem Zahnarzt

Was ist eine Phobie?

Instrumente und Verfahren der Implantologie, Schemazeichnung

Unter Phobie versteht man im medizinischen Sprachgebrauch eine übersteigerte, unbegründete und anhaltende Angst oder Panik vor bestimmten Situationen, Gegenständen, Tätigkeiten oder Personen, allgemein vor dem phobischen Stimulus. Sie äussert sich im übermässigen, unangemessenen Wunsch, den Anlass der Angst zu vermeiden. Bekannte Beispiele für Phobien sind die Flugangst, die Spinnen-Phobie und die Klaustrophobie Der Begriff Phobie wird jedoch auch im allgemeinen Sinn für Abneigungen aller Art gebraucht.

Die häufigsten Phobien

Diagramm der häufigsten Phobien: 1. Flugangst, 2. Spinnenangst, 3. Klaustrophobie, 4. Dentophobie

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Wer hat Angst vorm Zahnarzt?

Wer hat Angst vorm Zahnarzt

In den meisten Fällen handelt es sich um leichte oder nur gelegentlich auftretende Angstgefühle, die einer regelmässigen zahnärztlichen Kontrolle bzw. Behandlung meistens nicht im Wege stehen. Anders bei der echten Dentophobie, die auch als Dentalphobie oder Oralophobie bezeichnet wird: Hier ist die Panik so stark, dass der Betroffene (Phobiker) alles versucht, um den Zahnarztbesuch zu vermeiden. In vielen Fällen erfolgt eine zahnärztliche Behandlung erst dann, wenn sie z.B. wegen starker Schmerzen nicht mehr aufgeschoben werden kann.

Im Gegensatz zur "normalen" Zahnarztangst treten bei der echten Phobie auch körperliche Symptome auf, wenn eine Behandlung ansteht. In abnehmender Häufigkeit werden beobachtet

  • Schlafstörungen in der Nacht vor dem Behandlungstag
  • Herzklopfen (Palpitation)
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Mundtrockenheit
  • Erhöhter Blutdruck (Hypertonie)
  • Zittern (Tremor)
  • Gefühl der Atemnot
  • Hyperventilation (zu schnelles Atmen)
  • Übelkeit
  • Harndrang
  • Würgereiz / Brechreiz
  • Kreislaufkollaps und Blutdruckabfall

Generell tritt die Dentalphobie in allen Altersgruppen bei Frauen deutlich häufiger auf, als bei Männern.

Faktoren, welche die Dentophobie begünstigen, sind:

  • Allgemein ängstliche Veranlagung
  • Vorliegen weiterer Phobien oder psychischer Erkrankungen
  • Depression
  • Starker Stress
  • Drogenkonsum oder Alkoholismus

Nach unserer Erfahrung sind Angstpatienten überdurchschnittlich häufig auch Raucher. Während im Durchschnitt 25% der erwachsenen Bevölkerung rauchen, konnten wir bei den Dentalphobikern eine Raucher-Quote von 64% ermitteln.

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Ursachen der Dentophobie

Wer hat Angst vorm Zahnarzt

Etwa 30% aller bei uns behandelten Angstpatienten geben als Ursache ihrer Oralophobie an, durch Erlebnisse in Zusammenhang mit zahnärztlichen Behandlungen während ihrer Kindheit traumatisiert worden zu sein. Bei der Behandlung erlittene Schmerzen werden dabei genauso oft genannt wie brutales und unsensibles Vorgehen des Zahnarztes. Ein weiteres Drittel der Befragten bezieht den Ausgangspunkt der Phobie auf furchterregende Erzählungen anderer Personen, oft der eigenen Eltern. Beim letzten Drittel lässt sich schliesslich keine Ursache der Dentalphobie ermitteln.

Die Quote dieser letzten Gruppe, dürfte allerdings deutlich höher liegen. Die Dentalphobie ist nämlich häufig eine Art Ur-Angst, die tief im Unterbewusstsein verankert ist und keine rationalen Gründe hat, ähnlich wie die Angst vor Spinnen oder Mäusen. Anders wäre auch unsere Beobachtung nicht zu erklären, dass die Anzahl von zahnärztlichen Angstpatienten in den letzten 20 Jahren eher noch zugenommen hat, obwohl die Zahnmedizin heute objektiv wesentlich "humaner" ist als in früheren Jahren.

Meistgenannte Gründe für Dentophobie

Diagramm: 1. Angst vor Schmerzen, 2. Spritzenangst, 3. Angst vor Kontrollverlust, 4. Würgereiz

Es überrascht nicht, dass knapp die Hälfte der befragten Patienten Angst vor Schmerz als Hauptgrund der Oralophobie angibt. Dies entspricht der klassischen Klischeevorstellung, die Zahnmedizin mit Schmerzen assoziiert, obwohl heute Zahnbehandlungen in aller Regel schmerzlos verlaufen sollten.

Spritzenangst oder Spritzenphobie

Spritzen-Angst oder Spritzen-Phobie ist ebenfalls ein häufig genanntes Motiv der Dentophobiker. Die Injektion bei der örtlichen Betäubung (Lokalanästhesie) gehört heute ganz selbstverständlich zu vielen zahnärztlichen Behandlungen und wird von den meisten Patienten als notwendiges Übel akzeptiert, weil sie Schmerzen bei der Behandlung verhindert. Bei der Spritzen-Phobie verdrängt die oft extreme Angst vor der Spritze derartige rationale Überlegungen. Bei vielen dieser Patienten ist die Angst vor der Spritze aber auf zahnärztliche Injektionen beschränkt, während die Spritzen bei anderen Ärzten problemlos akzeptiert werden.

Angst vor Kontrollverlust sowie die Angst vor dem Ausgeliefertsein spielen bei den Gründen für eine Dentalphobie ebenfalls eine Rolle. Psychologisch gesehen ist die Mundhöhle ein Intimbereich des Menschen, in den der Zahnarzt mit seinen Instrumenten eindringt. Eine nicht unbeträchtliche Zahl von Patienten befürchtet, während der zahnärztlichen Behandlung die Selbstkontrolle zumindest teilweise zu verlieren.

Würgereiz oder Brechreiz bei Zahnbehandlungen ist auffallend häufig mit Zahnarztangst assoziiert. In vielen Fällen entsteht die Dentophobie erst sekundär, das heisst, sie wird durch die Erwartungsangst des Patienten vor dem in der Sitzung auftretenden Würgereiz (mit nachfolgendem Kontrollverlust) ausgelöst.

Zur Auslösung bzw. Verstärkung der Angstgefühle tragen oft verschiedene Sinneseindrücke des bereits einschlägig vorbelasteten Patienten bei, z.B.:

  • Bohrergeräusch: Vor allem der hochfrequente Ton der sogenannten „Turbine“, eines mit Druckluft betriebenen schnellaufenden Bohrers löst bei vielen Dentophobikern Panik-Attacken aus.
  • Zahnarzt-Geruch: Der typische Geruch in vielen Zahnarztpraxen stammt vom Eugenol, einem künstlichen Nelkenöl, das in zahnärztlichen Zementen und Medikamenten enthalten ist. Beim entsprechend vorbelasteten Patienten kann das Wahrnehmen dieses Geruchs reflektorisch Angstanfälle verursachen.
  • Weisse Kittel und zahnärztliche Instrumente: Die visuelle Wahrnehmung dieser mit früheren Behandlungserlebnissen assoziierten Gerätschaften oder Attribute können im Sinne eines konditionierten Reflexes angstverstärkend wirken.

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Folgen der Dentophobie

Tiefgreifende Schäden durch Vermeidung von Zahnarztbesuchen

43-jähriger Mann mit starker Dentalphobie, die letzte zahnärztliche Behandlung lag über 15 Jahre zurück. Tiefgreifende Zerstörung der Zähne durch Karies und Parodontitis mit starken chronischen Schmerzen. Erst durch zunehmenden sozialen Druck aus dem privaten und beruflichen Umfeld entschloss sich der Patient zur Totalsanierung.

Menschen, die an starker Zahnarztangst leiden, vermeiden den Zahnarztbesuch, solange es geht. Somit entfällt nicht nur die regelmässige professionelle Zahnreinigung bei der Dentalhygienikerin, sondern auch die zahnärztliche Kontrolle, die zur Vorbeugung von Zahn- und Zahnfleischerkrankungen wesentlich ist. Infolge schlechter Mundhygiene bilden sich bakterielle Beläge, die zu Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und Parodontitis führen können, Karies breitet sich rasch aus. In der Folge entstehen oft chronische Entzündungen an Zahnfleisch und Parodont und akute eitrige Prozesse (Abszesse). Der von Zahnschmerz geplagte Dentophobie-Patient gerät auf diese Weise in einen richtigen Teufelskreis: Je stärker seine Beschwerden und sein Leidensdruck werden, desto grösser wird die Angst vor dem unausweichlichen Gang zum Zahnarzt.

Diese Ängste der Betroffenen werden von Freunden und Familienangehörigen häufig nicht ernst genommen oder sogar lächerlich gemacht. Leider haben auch viele Zähnärzte kein ausreichendes Verständnis dafür. So haben die Dentophobiker oft keinen Ansprechpartner, dem sie sich anvertrauen können. Hinzu kommt, dass die zunehmende Zerstörung der Zähne ästhetische Beeinträchtigungen und Mundgeruch nach sich zieht. Die Betroffenen schämen sich oft deswegen, wagen nicht mehr zu lachen und scheuen generell die Öffentlichkeit. So droht ihnen eine zunehmende soziale Isolierung.

Teufelskreis der Dentophobie

Diagramm Teufelskreis Dentophobie

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